Gespenster am weißen Mönch I

Aus der Klosterzeit bis zum Brand der 600 Jahre alten Kapelle kommt der Glaube an einen Emberggeist, von dem folgendes erzählt wird: Am Emerichs-Maar und Wäldchen trieb sich ein Gespenst herum, ein Heidengeist, der wie eine Nebelgestalt aussah. Er tat keinem Vorübergehenden etwas zuleide und ängstigte auch niemanden; jeder fühlte sich jedoch von ihm beobachtet. Nie ging er den Weg entlang, am Kapelleneingang vorbei; immer schlich der Geist um die Kapelle herum, wenn er jemanden ein Stück begleitete. Wer nun ehrfürchtig Hut und Mütze an der Kapelle abzog, sich segnete oder gar einen kurzen Gebetsruf murmelte, den ließ der Geits laufen. Wer jedoch ohne dieses oder einen frommen Gedanken vorüberschritt, der hörte den Heidengeist auf sein Inneres einreden, dass alle Frömmigkeit ohne Zweck sei und ohne späteren Lohn bleibe. Um unbehelligt zu bleiben, grüßten die Leute ehrfurchtsvoll “de Muttergoddes vom Emerich”.

Gespenster am weißen Mönch II

Vor etwa 120 Jahren brachte ein Bauer an einem Herbsttage die Schreckenskunde von einem wilden Gespenst auf dem Emberg ins Dorf. Vom Köttenfeld aus hatte er es gesehen, ein unbekanntes Tier, das fauchend über den Emberg bis zum weißen Mönch rannte. Junge Leute, die dem Gespensterglauben nicht mehr trauten, schulterten die Mistgabel und legten sich in die Sandkaule am Weg auf die Lauer. Bald spießten die tapferen Burschen auch das Ungeheuer auf, einen vom Wind entwurzelten und gejagten Ginsterstrauch. Ihr Zug durch das Dorf und ihr Spott gaben dem Gespensterglauben einen argen Stoß.

Die Entstehung des Klosters

Im Dunkel des Waldes steht einsam eine Kapelle. Pilger ziehen dort ein und aus. Laut ruft das Glöcklein der Kapelle von Tagesanbruch bis in die Nacht hinein die Frommen zur Andacht herbei. Zwischen den morschen Mauern der Kapelle steht ein Bild des Erlösers, fast vermodert wie die Kapelle. Jahraus jahrein ziehen Scharen frommer Waller zur tief ausgetretenen Schwelle des kleinen Gotteshauses. Eines Tages wurde das Gebet der frommen Pilger plötzlich durch gellenden Weheruf aus dem Waldesdickichte unterbrochen. Im nächsten Augenblick stürzte Ritter Heidenreich, verfolgt von grimmen Feinden, durch den Wald zur Kapelle, um dort Schutz zu suchen vor den Verfolgern, denen er wohl mannhaft entgegengetreten wäre, wenn er Waffen mitgeführt hätte. Aber auf einer Betfahrt begriffen, wurde der Nichtsahnende überfallen und zur Flucht nach dem Heiligtume genötigt. Voll Dank über die Rettung küßt er die Schwelle und klammert sich an den Altar. Aber, o Graus! Ein Mordbube achtet nicht des heiligen Ortes, sondern hebt das Schwert zum tödlichen Streiche. Doch, welch ein Wunder! Als das Schwert blitzend niedersaust, bricht der starke Stahl glatt am Hefte ab. Der Schlag hat das Bild des Erlösers getroffen, dessen eine Hand zwar durchbohrt wurde, dessen Nagel aber dem Knienden Rettung vom sicher winkenden Tode gebracht hat. Das Schwert aber in den Händen des Erlösers bringt selbst die rasenden Mörder zur Besinnung. In jähem Entsetzen fliehen sie den heiligen Ort, und wieder erschallt der Gesang und das Gebet frommer Pilger an heiliger Stätte. Voll Dank gegen Gott erbaute Heidenreich an der Stelle der kleinen Waldkapelle ein prächtiges Gotteshaus und ein großes Kloster. In demselben danken fromme Nonnen unaufhörlich dem Herrn aller Herren für jene Rettung. Dünnwald wurde das Kloster genannt, wo einst in stiller Waldkapelle manch Herz sich erbaute und wo man des Stahl des Schwertes in der Hand des Erlösers schaute. Längst verschwand der Wald dort. Reiche Fluren ziehen sich um das Gotteshaus hin. Segnend streckt der Erlöser aber auch noch heute seine Hände dort aus.

Im Klosterweiher „deepe Pötz“

Neben dem Kloster liegt der alte Klosterweiher, der früher den Nonnen die Fische lieferte. Gespeist wurde er von dem nahen Mutzbach. Da, wo heute der Stammheimer Weg über den Mutzbach führt, lag eine Stelle im Weiher, die allgemein gefürchtet war. Sie hieß der „deepe Pötz“. Der soll sehr tief gewesen sein. Ein Schwimmer konnte leicht durch den ganzen Weiher schwimmen, kam er aber zum gefährlichen Pötz, so zogen die gurgelnden Wasser ihn in die Tiefe. Die Erinnerung an den Pötz lebt noch immer bei der dortigen Bevölkerung. Als Männer vor einigen dreißig Jahren den Weiher ausschlammten, warnte man sie allen Ernstes vor der gefährlichen Stelle.

Die Kirmes

Die Kirmes wurde in Dünnwald bis zum Jahre 1314 am Tage des hl. Kunibert (12 Nov.) gefeiert, Das Kloster erwirkte die Verlegung auf den zweiten Sonntag nach Peter und Paul (29. Juni), kehrte später aber zum ursprünglichen Tage zurück. Gegenwärtig fällt die Kirmes auf den Sonntag nach dem Feste des hl. Matthäus. Die Kirmes wurde früher in altertümlicher Weise begangen. Den Gelagszug der jungen Burschen eröffnete ein Roßschädel, der wie ein Banner dem Schwarme auf einer Stange voran getragen wurde. So zogen sie in die Kirche, tanzten auf dem Kirchhofe und ließen mittlerweile den Schädel am Tore halten. In diesem Zuge zeichnete sich ein Bursche, der Schimmelreiter, aus, der sich ein großes Steckenpferd angeschnallt hatte und die Bewegungen des Reiters geschickt nachahmte. Nach den Reiter folgte der Altvater, ein Bursche, der sich einen gewaltigen Bart von Flachs gemacht hatte und mit Haupthaar von demselben Stoffe prangte. Neben ihm schritt die Altmutter, eine zum Altvater passenden Frauengestalt. Von der Kirche ging der Zug durch das Dorf zum Festgelage.

Der Grinkenschmied

In einem Wäldchen bei Schönratherhof wohnte an einem Hügel, der Emmerich (Emberg) genannt wurde, in einer Erdhöhle ein kleiner, aber wunderbar starker und kunstfertiger Schmied. Die jenigen, die ihn sahen, behaupteten, daß er von Angesicht sehr häßlich gewesen, so daß man vor ihn erschrocken sei. Und noch ist es sprichwörtlich, einen griesgrämigen Menschen mit diesem Schmiede zu vergleichen. Sahen ihn auch nur wenige, so haben doch viele seinen Hammer durch den grünen Wald schallen hören und den Rauch seiner Esse bemerkt. Der Schmied nämlich hatte viel Arbeit, da keiner im ganzen Lande ihn an Kunstfertigkeit gleich kam. Die Leute hatten ihn nur Eisen und Stahl vor seine Höhle zu legen und ihn laut zuzurufen, welche Arbeit sie wünschten, Sie fanden dann am nächsten Morgen die Arbeit an derselben Stelle liegen und hörten, ohne den Schmied zu sehen, die mäßige Bestimmung des Preises dafür. Wo der Schmied hingekommen, weiß keiner zu sagen.

Der Läutestein

Im Kreise finden sich hin und wieder gewaltige Steinblöcke, die wegen ihrer Große angestaunt werden. Solche Steine liegen zum Beispiel im Königsforst, auf der Wahner Heide. Es sind Quarzitblöcke aus der Tertiärzeit, aber die Sage, die gern sich an Altes hängt, umspinnt sie auch. In Lohnskotten. einem Gemeindewalde von Dünnwald, liegt auch so ein mächtiger Felsbrocken, von dem die Sage erzählt, daß er dreimal in die Höhe springe, wenn in der nahen Klosterkirche die Mittagsglocke läute. Es ist also ein sogenannter „Läutestein“ oder „Springfelsen“.

Der Kluftstein

Zwischen Dünnwald und Paffrath liegt ein Kalkfelsen, der wegen seiner vielen Höhlen der Kluftstein oder Klutstein genannt wird. In diesen Höhlen wohnten vor Zeiten Zwerge, die sich drinnen vortrefflich eingerichtet hatten und besonders schöne kupferne Kochkessel besaßen. Feierten die Bauern der Umgegend ein Fest, so pflegten sie die Kessel von den Zwergen zu leihen. Vor dem Eingange der Höhle trugen sie ihre Bitte vor und fanden am nächsten Morgen den Kessel vor der Höhle. Nach der Benutzung ließen sie eine Probe der gekochten Speise für die freundlichen Zwerge darin zurück. Dann stellten sie ihn wieder vor den Eingang. Lange Zeit erbte sich dieser freundschaftliche Verkehr fort, bis einst böse Buben die Speisen vor der Höhle naschten und dann den leeren Kessel beschmutzten. Von dieser Stunde an war das freundschaftliche Verhältnis der Bauern mit den Zwergen gestört. Die erzürnten kleinen Leute riefen den Knaben einen Fluch nach, so daß sie zeitlebens hinken mußten.

Die Eichelsaat

Die Mönche zu Dünnwald zeigten einst dem Junker Hall zu Schlebusch ein altes Dokument vor, nach welchem ein großer Landstrich dem Kloster zugehörte. Das schien dem Junker unglaublich, denn er hatte das Land als alten Besitz geerbt und manche Ernte darauf gezogen. Zwischen dem Junker und den Mönchen kam es zu ernsten Reibereien, und endlich sollte der Handel vor Gericht ausgetragen werden. Aber auch hier wußte man in dieser verwickelten Sache keinen Rat. Scheinbar des langwierigen Haders überdrüssig, gelobte der Junker, das Land den Mönchen zu überweisen: doch möchten sie ihm noch eine Ernte verstatten. Die Mönche gestanden das gerne zu. Der Vergleich wurde rechtskräftig beschworen und verbrieft. Alles schien zufrieden, doch nur für kurze Zeit. Zur Hagelfeier war es in jener Zeit üblich, die Felder in Prozessionen zu umgehen und das Gedeihen der Saaten zu erflehen. Neugierig drängten sich die Mönche zu dem Gegenstande des langen Haders, zu sehen, was der Junker auf dem Acker gesät habe. Aber was war da zu schauen: Eichelsaat deckte zartsprossend die weite Fläche. Nun klagten sie über Betrug und Gewalt. Aber der Junker Hall legte den verbrieften Vergleich vor, und die Mönche mußten von ihren Einsprüchen abstehen. Die Saat gedieh trefflich und gestattete den Junker von Hall noch, in ihrem Schatten nach Rehen zu jagen. Als aber die Eichen über das Klosterdach schauten, da sahen sie auf grüne Gräber, drinnen Abt und Mönche längst ruhten. Und als die graue Rinde der hohen Stämme barst und sich verkrustete, da schüttelten die gewaltigen Baumkronen ihre falben Blätter auf die Ruinen des Klosters herab. (Dagegen ist zu erinnern, daß die Eichen längst gefallen sind, Kirche und Klostergebäude aber noch heute stehen).

Das weiße Ross

In einem Walde bei Dünnwald, Maikammer genannt, treibt sich zu nächtlicher Zeit ein weißes Pferd umher, das öfters kopflos, mit fliegender Mähne und Hochgesträubten Schweife nächtliche Wanderer ängstigt. Dieses wurde jedoch in der Neuzeit nicht mehr gesichtet.

Der ewige Jäger im Buchholze

Im Buchholze, einem Teile des alten Buchenforstes zwischen Dünnwald und Merheim, zieht der ewige Jäger umher. Oft erscheint er zu Fuß, oft auf einem weißen Rosse jagend; oft ist er mit einem Hute, oft mit einer spitzen Mütze bedeckt. Besonders im Frühlinge und in den letzten Tagen des Herbstes läßt er sich sehen, und wenn nicht sehen, wenigsten hören. Er soll immer sichtbar werden, wenn drei Greten (drei Frauen, die Margareta heißen) sich zusammenfinden. Hört man ihn unsichtbar vorüberziehen, so kann man sein Geschrei und auch das Bellen seiner Hunde deutlich vernehmen.

Der Hermesteufel

In der Maikammer bei Dünnwald hielt sich der Hermesteufel auf. Alte Leute wissen noch viel von ihm zu erzählen, er war aber kein böser, sondern ein friedlicher und freundlicher Geselle. Er trat in verschiedener Gestalt auf, oft als Zottelbär, als großer Kettenhund, als eine feurige Schlange; dann aber auch in menschenähnlicher Gestalt mit großen feuersprühenden Stierhörnern und einem einzigen Auge mitten vor der Stirn, das lichtvoll die weite Gegend bei finsterster Nacht erhellte. Früher sollen verwegene Männer sich dieses Spukes als Leuchte bedient haben. Hatte jemand bei dunkler Nacht in Wald und Moor den Weg verloren, so brauchte er nur den Hermes anzurufen, so war dieser sogleich bei der Hand und ging leuchtend vor ihn her oder neben ihm, bis er sich zurechtgefunden hatte. Auch sah man Hermes oft um Mitternacht in hohen Eichen und Birnbäumen weit umherleuchtend sitzen, so daß die im Dunklen Verirrten sich zurechtfinden konnten.